Mit einem neuen Veranstaltungsformat schafft die Berner Gesundheit ein Gefäss für Austausch und Vernetzung unter Schulsozialarbeitenden, Sozialberatenden und weiteren Beratungspersonen der Sekundarstufe II im Kanton Bern. Thema des ersten Vernetzungstreffens am 21. Oktober 2026 war die psychische Gesundheit.
Am 21. Oktober 2026 trafen sich in Bern zum ersten Mal Schulsozialarbeitende, Sozialberatende und weitere Beratungspersonen der Sekundarstufe II. Das neue Format bietet ihnen einen Rahmen, um sich auszutauschen, sich zu vernetzen und sich fachlich weiterzubilden.
Für Schulsozialarbeitende der Volksschulstufe bietet die Berner Gesundheit schon seit über 15 Jahren ein ähnliches Format. Aus diesem gingen immer wieder praktische Werkzeuge hervor – so beispielsweise die beliebten Lektionseinheiten. Eine Umfrage im Vorfeld sowie die zahlreichen Teilnehmenden zeigen, dass das Interesse an einer solchen Plattform auch auf der Sekundarstufe II gross ist.
Ursina Bill, Fachmitarbeiterin Gesundheitsförderung und Prävention bei der Berner Gesundheit, eröffnete den fachlichen Teil. Sie gab einen Überblick über aktuelle Studien zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schweiz.
KidsHealthCH – Schweizer Monitoring-System der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (März 2026)
Datenanalyse von Kindern und Jugendlichen von der Schwangerschaft bis 25 Jahre zu 100 SchlĂĽsselindikatoren in den Themenfeldern Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten, Angebot und Inanspruchnahme sowie Rahmenbedingungen.
Der allgemeine Gesundheitszustand junger Menschen in der Schweiz ist mehrheitlich gut bis sehr gut.
Bei den 15- bis 24-Jährigen haben Depressionssymptome seit 2017 um 46% zugenommen, psychische Belastungen um 59%. Junge Frauen sind stärker betroffen als junge Männer.
Die Zahl der Hospitalisierungen von Mädchen und jungen Frauen unter 26 Jahren aufgrund psychischer Erkrankungen ist seit 2017 um einen Drittel gestiegen.
Schlafstörungen haben bei den 15- bis 24-Jährigen seit 2017 um 28% zugenommen.
Pro Juventute Jugendstudie 2026 (März 2026)
FĂĽr die Studie wurden 960 in der Schweiz wohnhafte Menschen zwischen 14 und 25 Jahren zu den Themenkomplexen Stressoren, Resilienzfaktoren, psychisches Befinden und Medienverhalten befragt.
Die Mehrheit der befragten Jugendlichen beschreibt die eigene psychische Gesundheit als sehr gut oder ausgezeichnet.
Am stärksten belasten Leistungs- und Prüfungsstress. Häufig genannte Stressoren sind zudem die berufliche Zukunft, Terminstress, hohe Anforderungen in Schule / Ausbildung / Arbeit sowie allgemeiner Leistungsdruck.
Jugendliche stehen stärker unter Druck; die psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen hat seit 2019 zugenommen. Mädchen und junge Frauen sind davon stärker betroffen.
Psychische Gesundheit von Lernenden in der Berufslehre (WorkMed, Juni 2026)
Befragung von 44'669 Lernenden in der Schweiz zu Themen wie psychische Gesundheit, Befinden, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren.
Ăśber 80% der Lernenden erleben ihre Lehre positiv.
Gleichzeitig geben 61% an, während der Lehre psychische Probleme erlebt zu haben. Bei etwa 30% wirkte sich dies auf die Ausbildung aus.
Die häufigsten Stressoren sind lange Arbeitszeiten und zu kurze Ferien, Schulangst durch Überforderung sowie fehlendes Verständnis des Lehrbetriebs für persönliche Schwierigkeiten oder Fehler.
Anschliessend lernten die Teilnehmenden konkrete Angebote der Berner Gesundheit kennen, mit denen sich das Thema psychische Gesundheit aufgreifen lässt.
Christian Huber, Fachmitarbeiter Beratung und Therapie bei der Berner Gesundheit, stellte das Beratungsangebot fĂĽr Jugendliche vor, das bei Bedarf jederzeit kostenlos in Anspruch genommen werden kann.
Melanie Christen, Schulsozialarbeiterin an der Technischen Fachschule Bern, gab Einblicke in die Beratungs- und Präventionsangebote ihrer Schule. Bei jeder dritten Beratung geht es um die (psychische) Gesundheit, Tendenz steigend. Zu den Präventionsmassnahmen gehört unter anderem ein obligatorischer Workshop zum Thema Stress im ersten Lehrjahr. Dieser basiert auf «goodplan» der Berner Gesundheit sowie auf der Kampagne «Wie geht’s dir?» von Pro Mente Sana im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz. Im zweiten Lehrjahr folgt ein Unterrichtsmodul zum Thema Sucht, das auf den Materialien von Sucht Schweiz aufbaut.
Neben den fachlichen Inputs blieb viel Raum fĂĽr Austausch und Vernetzung unter den Teilnehmenden.
«Im Vorfeld wussten wir nicht, wie gross das Interesse an einer solchen Veranstaltung sein würde», sagt Ursina Bill, Mitinitiatorin des Vernetzungstreffens. «Die zahlreichen Anmeldungen und der rege Austausch vor Ort zeigt, dass der Bedarf gross ist. Mit diesem ersten Treffen haben wir einen neuen Rahmen dafür geschaffen. Wir freuen uns darauf, das Format fortzuführen und weiterzuentwickeln.»
Das nächste Vernetzungstreffen für Schulsozialarbeitende, Sozialberatende und weitere Beratungspersonen auf der Sekundarstufe II findet am 27. Oktober 2027 statt.
Ursina Bill
Fachmitarbeiterin Gesundheitsförderung und Prävention
Elvira BĂĽhlmann
Fachmitarbeiterin Gesundheitsförderung und Prävention
Marinus Brak
Fachmitarbeiter Gesundheitsförderung und Prävention