Präventionsmodell

Zwischen Gesundheit und Krankheit bewegt sich der Mensch in körperlichen, mentalen und sozialen Dimensionen. Unser Präventionsmodell zeigt, wie Schutzfaktoren gestärkt und Risiken reduziert werden können.

Gesundheit und Krankheit müssen stets als Pole eines Kontinuums betrachtet werden, zwischen denen und in dessen Dimensionen der Mensch lebt und sich bewegt: Dabei gibt es die Dimensionen der Massnahmen, der Lebensphasen, der Akteur:innen und des Kontextes. Unter dem Gesundheitsbegriff ist der körperliche, mentale und soziale Zustand miteingeschlossen. In jedem Zustand besteht die Möglichkeit der Veränderung. Zahlreiche Einflussfaktoren, die Gesundheitsdeterminanten, beeinflussen diesen Zustand wesentlich. Sie sind auf der individuellen oder der strukturellen Ebene angesiedelt. Dabei ist entscheidend, ob die Schutzfaktoren gestärkt oder die Risikofaktoren reduziert werden können.

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Christian Ryser, ehem. Geschäftsführer der Berner Gesundheit erklärt das Präventionsmodell

Gesundheitsdeterminanten

Die persönlichen, sozialen, wirtschaftlichen und umweltbedingten Faktoren sind für die Lebensqualität und Lebenserwartung von Einzelpersonen und Bevölkerungsgruppen massgebend. Gesundheitsdeterminanten (= Einflussfaktoren) sind Faktoren, die einen positiven oder negativen Einfluss auf die Gesundheit eines Individuums entfalten. Sie können in fünf Bereichen angesiedelt werden und gehören zur individuellen (Verhalten) oder zur strukturellen Ebene (Umfeld). Zur strukturellen Ebene gehören u.a. biologische Faktoren, Lebensweise, soziale Netzwerke, Unterstützung und Einfluss durch das soziale Umfeld, Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie allgemeine sozioökonomische, kulturelle und ökologische Bedingungen.
Quelle: infodrog.ch


Verhaltensbezogene Einflussfaktoren, einschliesslich der sozialen und kulturellen Aspekte, machen die Mehrzahl der Determinanten von Gesundheit aus. Die Einflussfaktoren der Verhältnisebene (strukturelle Ebene) sind aber bezüglich ihrer Wirkung auf das Verhalten wesentlich dominanter (= Ursachen der Ursachen).
Quelle: who.int

Risiko- und Schutzfaktoren

Die Einflussfaktoren der Gesundheit können unterteilt werden in Risikofaktoren und Schutzfaktoren. Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Belastung, einer Entwicklungsstörung oder einer Krankheit, während Schutzfaktoren die Merkmale eines Individuums, seines sozialen Umfelds und der Gesellschaft darstellen, welche sein Wohlbefinden und seine Gesundheit stärken. Die Stärkung von Schutzfaktoren minimiert die Wirkung von Risikofaktoren und umgekehrt. Beispiele für Risikofaktoren: Alkoholkonsum, Übergewicht, Rauchen, Einsamkeit, Stress, Lärm, Armut. Beispiele für Schutzfaktoren: Soziale Teilhabe, körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung, Bildung.

Massnahmen

Die Massnahmen lassen sich einordnen in «universelle», «selektive» und «indizierte» Prävention. Die universelle Prävention richtet sich an ganze Populationen oder Segmente davon (zum Beispiel alle Schüler:innen der Oberstufe oder alle Personen im Rentenalter). In diese Kategorie fallen beispielsweise Präventionskampagnen oder Massnahmen auf Gemeinde- und Schulebene. Die selektive Prävention richtet sich an Gruppen mit erhöhten, empirisch bestätigten Risiken, beispielsweise Kinder aus suchtbelasteten Familien. Die indizierte Prävention fokussiert mit Interventionen auf Individuen, die erste Symptome oder ein auffälliges Problemverhalten zeigen und bei denen die Diagnosekriterien für ein erhöhtes Risiko erfüllt sind, jedoch noch keine Erkrankung oder Entwicklungsstörung vorliegt (z.B. riskanter Social-Media-Konsum).
Quelle: infodrog.ch

Lebensphasen

Die verschiedenen Lebensalter entsprechen verschiedenen Phasen. Diese Sichtweise erleichtert für den jeweiligen Lebensabschnitt die Zuordnung von passenden Modellen, Interventionen und Lösungen, welche die verschiedenen Entwicklungsphasen und deren Besonderheiten, z.B. in der Kindheit oder im Alter, berücksichtigen.

Akteur:innen

Darunter sind die Urheber:innen einer Handlung zu verstehen, welche mit ihren Entscheidungen Verantwortung übernehmen und Einfluss auf die Gesundheit von Individuen ausüben können. Die Akteur:innen tun dies in ihrer Rolle oder Funktion als Einzelpersonen oder als Vertretende einer politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Organisation (z.B. Politiker:innen, Kita-Leiter:innen, Vorgesetzte, Hausärzt:innen etc.).

Kontext

Das Leben spielt sich gleichzeitig im Kontext der verschiedenen Sektoren Wirtschaft, Politik, Bildung und Umwelt ab, in denen gesundheitsrelevante Entscheidungen gefällt werden. Diese Sektoren beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb ist die Förderung der Gesundheit, respektive die Prävention von Belastungen und Erkrankungen, immer als Querschnittsaufgabe aller Sektoren zu betrachten.